Gleitschirmtour nach Spanien

Malaga, International Airport, Gepäckausgabe: Vorsichtiges Umschauen, wer denn ein Gleitschirmflieger sein könnte.

Aha, da ist einer mit auffälligen Fliegerschuhen, der hat sicher Gepäck gespart. Ja, einer, der zu unserer Gruppe gehört. Und dann kommen schon die Gleitschirme.

andalusien 2014 0069 1200Draußen warten Jutta, Thomas und Rene auf uns. Kurze Vorstellungsrunde. Es gibt Badener, Neu-Badener von der Nordseeküste, Pfälzer und auch einen Schweizer. Lauter supernette Menschen, die sich, wie es sich in den kommenden Tagen zeigen sollte, nicht nur über das Fliegen sehr gut miteinander unterhalten können.

Dann geht‘s schon los in Richtung Algodonales. Alle sind etwas müde vom frühen Aufstehen. Aber dem kann bei einer Rast abgeholfen werden: Spanisches Frühstück. Wer‘s noch nicht kann, lernt jetzt zwangsläufig die ersten wichtigen Worte: Bei Zumo (..de naranja) wird frisch gepresster Orangensaft gebracht; bei café con leche gibt’s Kaffee mit Milch und bei revuelto wird goldgelbes Rührei aufgetischt. Noch ein Stück tostada dazu, dann kann der Tag kommen. Also, verhungern werden wir schon mal nicht.

andalusien 2014 0086 1200In Algodonales wartet dann ein nettes kleines Häuschen auf uns. Dort werden wir aber fast nur zum Schlafen und Duschen sein. Sonst sind wir unterwegs: natürlich jeden Tag zum Fliegen. Am Morgen zum Frühstück lassen wir uns auf der Plaza von der spanischen Herbstsonne bescheinen. Temperaturen wie zuhause im Sommer machen Lust aufs Fliegen. Die sind dort bestens auf die Flieger eingestellt, lassen sogar die Sonne eine Stunde später aufgehen – perfekt an den Rhythmus der Gleitschirmflieger angepasst.

Auch am Abend wieder leckeres spanisches Essen auf der Plaza oder in einem netten Restaurant. Zusammen mit lauter netten Menschen schmeckt’s gleich noch mal besser, als es sowieso schon ist.

andalusien 2014 0077 1200Nachdem das Drumherum geklärt ist, muss jetzt endlich etwas zum Fliegen gesagt werden. Deshalb sind wir ja gekommen. Sierra de Lijar heißt der Hausberg mit Startplätzen in fast alle Richtungen. Gleich am ersten Tag Landeplatz Einweisung (ein riesiger Acker mit viel Staub und Steinen) rauf auf den Berg (über eine nicht weniger staubige Piste fast einmal rum um den Berg) und sehen was geht. Es war erst mal zuschauen angesagt und zuhören: Jutta & Thomas hatten wie immer kompetente Info’s zu Wind und Wetter, Start- und Landeprozeduren, Thermik und Wolken, Landschaft und Flugziele.

Das bunte Treiben auf dem Startplatz und die Schwierigkeiten, die viele Piloten beim Starten hatten, haben mir doch einigen Respekt vor den Flugbedingungen abgerungen. Hier ein kleines Beispiel von einem Startplatz in der Nähe, einige Tage zuvor.

andalusien 2014 0063 1200Das hat sich dann aber in den Tagen doch als halb so wild herausgestellt. Wenn man erkennt, dass viele Flugschulen sich hier tummeln, manche Fluglehrer ihre Schüler eher am Starten hindern als unterstützen und es auch Piloten gibt, die sich sehr ungeduldig in die Luft stürzen, dann relativiert sich vieles. Und wenn man dann noch mit hilfsbereiten Menschen und sehr guten Fluglehrern unterwegs ist, dann halten sich die Startprobleme doch sehr in Grenzen.

andalusien 2014 0080 1200Einmal in der Luft, stand meist einem wunderbaren Flugvergnügen nichts im Wege. Oft ging es an vielen Stellen hoch. Kurbeln war angesagt, weiter zur nächsten Thermikquelle, wieder hochgedreht und wieder weiter – manche Tage stundenlang. Allerdings immer ohne Thermikwolken. Das schärft den Blick für Gelände und Windanzeiger. Da können kleine Feuer auf den Feldern sehr hilfreich sein. Manchmal gab es nur den Hausbart, in dem sich dann vielleicht 50 Flieger getummelt haben. Das geht nur mit viel Disziplin und manch einer hat Hangkratzen an anderer Stelle dem Getümmel vorgezogen.

Ah ja, fast hätt ich sie vergessen: die Geier. Wenn keine Wolken da sind, müssen die Geier herhalten: Dort wo die kreisen, geht’s hoch – wenn du rechtzeitig dort bist. Schön zu beobachten, wie sich fast alle an den Geiern orientieren. Wenn du dann dort bist, und mit einem Geier deine Kreise drehst und dich der Geier mit wenigen Metern Abstand kritische beäugt, dann kannst du auf eine ganz besondere Weise erfahren, wie wunderbar Fliegen sein kann.

Es eigentlich viel zu schön, um nach einer Woche wieder nach Hause zu fliegen. Aber man kann ja wieder kommen. Es hat mir sehr gut getan, wunderschöne Flüge zu erleben, sich um (fast) nichts kümmern zu müssen und einfach genießen zu können. Gemeinsam fliegen eben.
Euch, liebe Jutta, lieber Thomas, lieber Rene ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Bis demnächst am Berg, am Himmel oder sonst wo.

(Ekke)

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Eine Fotogalerie mit weiteren Impressionen unserer Spanienreise 2014 findet ihr hier >