"Nach Südtirol wollt ihr… im Pustertal fliegen? Da ist es wunderschön, aber jetzt? Da regnet es doch". So die Meinung eines Fliegerkollegen, als er hörte, dass wir Anfang August für eine Woche in dieses herrliche Fluggebiet wollten. Er hatte recht. Aber nicht ganz.

suedtirol 2014 001Kurze, manchmal kräftige Schauer meist gegen Abend ließen am Vor- und Nachmittag wunderschöne Flüge zu. Im Gegenteil: Die überaus warmen Tage mit Temperaturen über 30 Grad hatten auf diese Weise eine erfrischende Abkühlung. Zwei, manchmal auch drei Flüge jeden Tag waren möglich und hinterließen nachhaltige Eindrücke. So konnten wir reichlich Flugerfahrungen sammeln und das wunderschöne Panorama bewundern.

suedtirol 2014 019Unser Quartier lag nahe Bruneck. Die Unterbringung geschah in Doppel- und Einzelzimmern. Das Frühstück wurde gemeinsam zubereitet und genossen: mit frischem Obst, Joghurt oder Brötchen mit Wurst und Käse. Milch und Butter gab es von den Kühen der Pensionsinhaberin, Kaffee oder Fruchtsaft rundeten das Menü ab. Schon das hat die Gruppe zusammengeführt und Gespräche nicht nur über das Fliegen ermöglicht. Einige kannten sich von früheren Begegnungen, andere waren neu hinzugekommen. So fand sich eine bunte, auch mit den unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen sympathische Gruppe von Fliegerinnen und Fliegern. Und obwohl der fliegerische Erfahrungsaustausch naturgemäß im Vordergrund stand, fanden so ganz nebenbei interessante Gespräche über das Leben in den Herkunftsregionen und den Lebensalltag der Teilnehmer statt. (Schweiz, Süddeutschland, Ostdeutschland).

suedtirol 2014 032Wie wird das Wetter heute, wo können wir fliegen? Wann müssen wir aufbrechen, um optimale Flugbedingungen zu bekommen? Jutta und Thomas sondierten die Bedingungen, erklärten den Teilnehmern neben der Großwetterlage die sich daraus ableitenden lokalen Bedingungen und schlugen die jeweiligen Fluggebiete vor. Und deren gibt es in der Region Bruneck am Ende des Pustertales etliche. Für Nord- oder Südwind ebenso, wie Fluggebiete zum soaren oder Streckenfliegen. Einfach eine ideale Region, in dem man nahezu das ganze Jahr über sehr gute Bedingungen hat. Die Startplätze sind mit dem Auto oder der Seilbahn gut erreichbar. Die Landeplätze sind einsehbar und unkompliziert. Und wer der Landesplatz mal nicht erreicht, findet genügend Wiesen, die sich hervorragend für eine Außenlandung eignen. Unten angekommen ist bei entsprechendem Wind das unerlässliche Groundhandling vor malerischer Kulisse eine gute Möglichkeit, die Schirmbeherrschung zu vervollkommnen.

suedtirol 2014 043Gleich mit zwei Fluglehrern unterwegs zu sein, ist schon ein Luxus, der nahezu allen Bedürfnissen der Flieger gerecht wurde. Jutta und Thomas haben uns nicht nur unterstützt und wertvolle Hinweise gegeben. Neben den praktischen Tipps haben sie ihre Einstellung, ihre Philosophie des Fliegens uns Teilnehmern angeboten - eine unverzichtbare Grundlage, die das fliegerische Agieren in allen Phasen und Situationen bestimmen sollte: Die Bereitschaft, sich auf die konkrete Bedingungen der Luftbewegungen, der Geländeprofile, der Thermik usw. derart einzulassen, dass ein Miteinander von Pilot und äußereren Bedingungen entsteht. So kommt es zu einer Synergie, die erst das Fliegen ermöglicht. Fast könnte man von einer Harmonie sprechen zwischen Pilot, Landschaft und Wetterbedingungen. Keine Rekorde, stattdessen viel Freude und Spaß beim Fliegen. Dies zu erspüren und zu respektieren war die Botschaft, die Jutta und Thomas uns zu vermitteln suchten. Und es ist ihnen gelungen.

Auf diese Weise hatte jede und jeder sein persönliches Erfolgserlebnis. Sei es am Fluggelände in Ahornach, auf dem Kronberg, dem Speikboden oder in Pfalzen. Dass Vögel gute Informanden für Thermik sein können ist ja bekannt. Dass sie aber auch ärgerlich werden können, wenn man als Gleitschirmflieger in ihr Luftrevier eindringt, ist auch eine Erfahrung, die einige von uns in Pfalzen machen mußten. Kleine Attacken der Greifvögel auf den Schirm blieben aber ohne Folgen. Bessere Starts oder Landungen, Eindrehen in die Thermik oder das Nutzen von Abstiegshilfen, das alles konnten wir üben und trainieren. Vor allem aber, das Herausfinden der eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten. Und schließlich: Der inneren Stimme zu folgen, diesen oder jenem Flug nicht zu fliegen und so nicht nur Risiken zu vermeiden, sondern dem eigenen Befinden zu entsprechen, das waren wichtige Lernerfahrungen.

suedtirol 2014 072Am Abend eines jeden Flugtages fand dann in einer der vielen Lokalitäten nahe Brunecks ein geselliges Beisammensein statt. Wir testeten ausgiebig die lokale und preiswerte Küche ergänzten so der Eindruck von einem schönen Teil Südtirols. Und auch da gab es so manche Überraschung, sei es bei der Zusammenstellung der Speisen oder der Bereitstellung der Internetverbindung für den Heimatkontakt.

"In Südtirol regnet es doch". Ja, wo denn nicht? Aber es gab viele und ausreichend Flugstunden die unvergesslich bleiben werden. Und es gab eine wache und aufeinander bezogene Gruppe, die sich gegenseitig unterstützte. Und es gab Jutta und Thomas, die nicht nur  organisierten, sondern auch einfühlsam und hilfreich die jeweiligen Bedürfnisse zu unterstützen suchten.

(Christoph Victor)

Eine Bildergalerie mit Imprssionen unserer Südtirolreise 2014 findet ihr hier >

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