Am Pfingst-Montag 2014 war wieder einmal einer dieser Tage, an denen meteorologisch einfach alles perfekt passt - vorausgesetzt, man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zum Beispiel im Südschwarzwald. Dabei fing es erst mal ziemlich bescheiden an ...

Rtavn00120140609 full

Wetterprognose am 9. Juni 2014

Beim morgendlichen Meteo-Studium war auf den ersten Blick nichts besonderes zu erwarten: laut RASP und meteo-parapente eher moderate Steigwerte für die Thermik, ein mäßiger Temperaturgradient und lt. Segelflugprognose für die Jahreszeit unspektakuläre Basishöhen. Eine Hochdruckbrücke, von den Azoren bis nach Polen und bei schwachen Druckgegensätzen Zufuhr von sehr warmer, trockener Luft aus Süden.

Mit etwas genauerem hinschauen bot allerdings der schwache SO-Wind im Südschwarzwald schon Grund zur Freude, denn dieser ist - gerade in Kombination mit einem eher mässigen Temperaturgradienten - eine gute Voraussetzung für die große Schwarzwald-Konvergenz.

ema 11h 2014 06 09

Pfingstmontag am Gschasi

Mit eher leisen, aber doch freudigen Erwartungen startete ich also in den Flugtag, diesmal am Gschasi bei Elzach. Und wie das so ist als Fluglehrer, die ersten Stunden durfte ich erst mal zuschauen, wie die anderen fliegen...

Auffällig war der Windentwicklung. Trotz SO-Prognose erwachte die Thermik schon sehr früh mit Vorwind aus SW bis W, von den Vorbergen bis in den Schwarzwald hinein. Schon gegen 11h schwächelte allerdings bald das Aufwindsystem, um dann gegen Mittag völlig einzuschlafen. Die Windräder der Freiämter Vorberge rotierten nun leicht auf O. Sollte der Thermik-Tag etwa der Hitze und damit einer allgemeinen Stabilisierung zum Opfer fallen?

ema 2014 06 09
Doch dann erschienen plötzlich die ersten zarten Cumuli hinter uns über dem Schwarzwald. Mit auffälliger Zugrichtung von SO nach NW. Offensichtlich konnte die erste Thermik der hohen Berge die über die Nacht entstandene deutliche Inversion durchstoßen. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir am Startplatz deutliche Rückenwindphasen, während die Windräder am Rand der Rheinebene bereits wieder W anzeigten. Der Überregionale SO-Wind setzte sich also für kurze Zeit gegen den Rheintalwind durch und tauschte entlang der Schwarzwald-Hauptkette offensichtlich die stabile Luftmasse gegen eine labiler geschichtete aus. Nachdem der Startplatzwind wieder gegen Null tendierte ließen wir unsere unsere Flugschüler starten. Kurz vor Erreichen des Landeplatzes dann unerwartete Freude: denn großflächig und stark ging's nach oben. Fast überall. Die Konvergenz war aktiv.

Großflächiges Steigen

Während sich am Landeplatz, also im Elztal, schon kurzzeitig der über die Heidburg schwappende KInzigtalwind bemerkbar gemacht hatte, geriet jetzt der Elztalwind wieder in volle Fahrt und beide leisteten mit vereinten Aufwinden der SO-SW-Konvergenz noch weiteren Antrieb. Schnell war das Phänomen auch in der Höhe zu sehen: bei geschätzten 3000m NN bildete sich rasch die erste Konvergenzfluse und bald am Kulminationspunkt ein "satter Brummer" mit schönem Eisschild, während sich die weitere Ausdehnung der Konvergenz Richtung Norden bis zum Horizont durch eine perfekte Wolkenstraße präsentierte (die Sicht nach S ist vom Startplatz aus versperrt).

wolfgang jonitz 02 fullHöhenrausch

Und wie zu erwarten, zeigten sich, oder besser: zeigten sich wegen der enormen Flughöhe fast nicht mehr - die ersten winzigen Pünktchen unterwegs unter der Prachtstraße.

Ja, an solchen Tagen erzeugt "Zuschauen beim Fliegen" dann doch eine gewisse Sehnsucht, aber die glücklichen Gesichter der anvertrauten Gäste sind es wert. Und die konnten ihre zum Teil ersten richtigen Thermikflüge bei guten Bedingungen richtig genießen.

Thermikstraße

wolfgang jonitz 03 fullDie große Schwarzwald-Konvergenz ist übrigens gar nicht so selten. Bei schwachen bis moderten Ost-Lagen (Feldberg-Wind 8h bis 25 km/h aus NO bis SO) entwickelt sich an thermischen Tagen sehr zuverlässig der Rheintalwind "dagegen" und bildet über dem Hauptkamms eine markante Aufwindlinie. Diese ist bei NO bis O eher bockig und inkonsistent, je mehr der überregionale Wind auf SO dreht, desto fliegerisch angenehmer, zusammenhängender und hochreichender entwickelt sich das System. Am Pfingstmontag lag die Basishöhe über dem Schwarzwald bei etwa 3400m bei geschätzter Linienlänge von über 80 km!

Anhand weiter Flüge entlang der Konvergenz, wie z.B. das Dreieck von Johannes Chalk über 114km in weniger als 4,5h kann man das Phänomen und seine Verschiebung im Tagesgang gut studieren. Wolfgang Jonitz berichtet von seinem Flug am Montag: "eine tolle Erfahrung war eine lange Konvergenzzone nördlich von Oberwolfach, auf der man ohne zu kurbeln etwa 20 km weit fliegen konnte ohne Höhe zu verlieren."

Bei W-Lagen entsteht sehr oft eine ähnliche Linie etwa zwischen dem Hochfirst und Freudenstadt. Der "Gegenschieber" zum W-Wind ist dann der von Osten in den Schwarzwald strömende thermische Baar-Wind. Von den üblichen Startplätzen der Streckenflieger ist diese oft sehr schöne Wolkenstraße allerdings selten erreichbar.

Neben der Großen Schwarzwald-Konvergenz bilden sich immer wieder auch kleinere, wie z.B. bei NO und SO im Wiesental, oder bei W im Elztal. Und manchmal sogar gleich mehrere auf einmal. Wer sie zu entdecken und auszufliegen weiß, wird neben einer vielleicht weiten Strecke vor allem durch das unmittelbare Erlebnis eines interessanten Naturphänomens und einfach schönem Fliegen belohnt.

(Thomas)