Wetterlaunen im März 2015

Unsere Packsäcke warten urlaubsbereit, die Flügel sehnen sich nach frühlingsduftender Thermikluft. Vor dem Fenster Schneeschauer. Gibt es wenigstens Aussichten auf schöne Osterflüge oder kommt der Winter zurück?

Beides ist derzeit denkbar. Aber was ist für die neuerlichen Wetterlaunen verantwortlich? An das anhaltende Vorfrühlingshoch hätte man sich durchaus langfristig gewöhnen können, hatte es doch neben traumhaften Wintersportbedingungen in den Hochlagen vor allem auch für uns Tuchflieger schon sehr gute Flugtage mit im Gepäck.

Was uns nach der Sonnenzeit geradezu als Extremwetter erscheint (die Medien helfen da kräftig mit), ist aber vollkommen normal. Nur dumm, dass die Wetterlage sich ausgerechnet zum Beginn der Osterferien umgestellt hat. Bleibt die spannende Frage, wie es denn weiter geht. Wie so oft, ist das nicht so einfach zu beantworten. Aber einen Versuch ist es trotzdem Wert.

2015 03 30 meerwassertemp 400Wenn der Blick in die Wetterzukunft über drei Tage hinaus gehen soll, dann ist ein Fernglas mit eher globalem Blickwinkel sehr hilfreich.
Mein Favorit ist dafür immer wieder earth.nullschool.net mit seinen Windanimationen für verschiedene Höehenstufen und der sehr wichtigen Info zur Meerwasser-Oberflächentemperatur. Denn die Meerresströmungen mit ihren gewaltigen Energietransporten sind ja ein ganz entscheidender Faktor in der Wetterküche.

2015 03 30 bodendruck 400Während beim Schmuddelwetter im Frühling 2013 der Golfstrom deutlich zu kalt war und das Azorenhoch verschoben hat, ist er in diesem Jahr sehr warm. Dadurch bildet sich immer wieder eine markante Luftmassengrenze entlang der Linie zwischen den beiden Grönland-Merres-Strömen mit sehr kaltem Polarwasser und eben dem fast Thermalbad-temperierten Golfstrom. Nördlich davon brodeln die Tiefs, und da die dort massiv aufsteigende Luft irgendwo wieder runter muss, finden wir südlich über dem wärmeren Wasser die Hochs. Gut kann man das auf dem Bild erkennen (Tiefdruck violett, Hochdruck weiß, zum Vergrößern ancklicken).

2015 03 30 jetstream 400Je markanter die Bodendruckunterschiede der beiden Zonen, desto stärker der Jet-Stream in der Höhe, über den sozusagen der Rückweg der Bodenströmung erfolgt. Wenn jetzt der Höhenstrom aber stark ist, dann wirken sich die Ablenkungen durch die Boden-Hochs besonders markant aus. Denn viel Masse*viel Geschwindigkeit=viel "Schwung" (Bewegungsenergie).

Östlich des Azorenhochs (der Jetstream düst von West nach Ost) zerbricht deshalb das Windband förmlich und teilt sich in mehrere wild umher schwingende Einzelströme auf (gut zu erkennen auf dem Bild).

Und jetzt sind wir fast schon beim Osterwetter: der Jet wiederum bestimmt die Zugbahn der nordatlantischen Tiefs über unseren Breiten. Zudem erzeugt das "Zerbersten" des Jets immer wieder Höhentiefs, die dann gerne in der Mittelmeerregion ihren Wasserballast abladen.

2015 03 30 meerwassertemp anom 400Das heißt konkret: bis Ostern ist es erst mal sehr windig, wechselhaft und mit NW-Stömung auch eher kühl. Ab dem Wochenende sind mehrere Szenarien denkbar: entweder das Azorenhoch schafft es, wieder mal eine Brücke Richtung Ukraine zu schlagen, dann wirds freundlich und vermutlich sehr schön frühjahrsthermisch.

mandelblueten 400Oder eine Tiefdruckrinne zwischen Nordatlantik und einem Mittelmeertief versaut uns das Fliegen und bringt Schnee. Oder irgend etwas dazwischen oder auch ganz anders. Eines ist jedoch sicher: derzeit sind alles Glaskugeln und globalen Ferngläser mit dem Blick in die zweite Ferienwoche überfordert. Und die Wettermodelle sowieso. (Diesmal ist dann wenigstens nicht der Jet-Stream schuld, sondern der Golfstrom. Oder der Grönlandstrom. Oder beide.)

So ist das eben mit dem Wetter: es kommt, wie's kommt. Und manchmal anders. Entweder suchen wir die Ostereier auf Blumenwiesen oder eben im Schnee. Immerhin: es lohnt sich zu hoffen. Auf die Osterglocken.