Die Sonne scheint warm auf den Osthang am Förleberg. Temp, Thermik- und Windproprognosen versprechen einen perfekten Flugtag.

Natürlich sind wir frühzeitig am Startplatz. Bald wagen sich trotz wild schlingerder Windfahne die ersten in die Luft. Doch statt nach oben, geht es im Rodeo-Ritt bergab.

Wenn dann am Nachmittag die Feierabendflieger kommen, geht es plötzlich hoch. Und dazu noch recht angenehm. Eigentlich unlogisch, denn Nachmittags ist der NO Hang komplett im Schatten, selbst im Sommer.

pfalz foerlenberg 2015 012 540Aber nur eigentlich. Denn Thermik löst sich oft ganz woanders vom Boden als dort, wo sich das Luftpaket erwärmt. So auch gerne am Förlenberg. Er gehört zur westlichsten Bergkette der Pfalz, liegt also direkt am Rand der Rheinebene. Zudem ist er nicht allzu hoch. Morgens und Vormittags ist es in der Ebene sehr oft noch stabil, eine markante Inversion bremst jegliche Konvektion sofort wieder aus. Stark erwärmte Luftpakete können sich dennoch vom Boden lösen, blubbernern dann aber nur dumpf-turbulent kaum mehr als zweihundert Meter nach oben.

Kommt jetzt noch der für den Förlenberg-Startplatz nötige NO-Wind dazu, transportiert dieser die Blubberblasen direkt vor den Berg. Die Windscherung an der tiefen Rheintal-Inversion, gerne in der Nähe der Startplatzhöhe, mischt den Turbulenz-Cocktail zusätzlich noch so richtig auf.

pfalz foerlenberg 2015 004 540Erst am Nachmittag, wenn die Sonne die Rheintalinversion ausgeheizt hat und der Boden in der Ebene richtig warm geworden ist, schiebt der Wind grossflächig die Thermik zum Berg. Diese löst sich dann an der markanten Abrisskante des Förle Kamms ab. Oder auch gerne schon an den vorgelagerten Bodenwellen, Baumreihen und Vegetationsgrenzen zwischen Wald und Reben.

Und jetzt geht es gemütlich hoch, obwohl der Starthang schon längst im Schatten liegt. So wird aus dem Morgensonne-Hang ein Nachmittagsthermik-Startplatz. Gut für alle Feierabendflieger. Wer vom Förle weit fliegen und deshalb Mittags starten will, der muss sich auf einen Rodeo-Einstieg ins XC-Vergnügen einstellen. Ist das erst einmal geschafft, dann wird es weiter westlich vom Berg schnell sehr viel angenehmer. Aber auch sehr viel waldiger.

Die Genussflieger gehen erst nach Cappucino und Kuchen zum Berg. Und nach dem Landen auf ein Gläschen guten Pfälzer Wein. (Thomas)