Wir beginnen die Tour morgens in Tschagguns im Vorarlberg.

Als Pfälzer sind wir zwar gewohnt zu laufen, um  unseren Flughunger zu stillen, aber weil wir weder marathonerprobt noch anderweitig mit Heldenkräften ausgestattet sind, stellen wir das Auto am Gasthof Grabs ab und schenken uns so die ersten 500 Höhenmeter zu der auf 2206m gelegenen Tilisuna Hütte.

Das wäre auch mit der Golmbahn möglich, aber in unserem Fall ist auch der Weg das Ziel und der ist schöner so.

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Mit unseren abgespeckten Ausrüstungen und den Stöcken geht s gleichmäßig bergauf durch Wälder und an Pistenhängen vorbei. Die Alpila Alpe bietet uns erste Rastgelegenheit, wir füllen unser Flüssigkeitsresevoir auf. Die Alpfamilie will wissen, welche Säcke wir da den Berg rauftragen; während die Tochter aufmerksam zuhört – ich habe den Eindruck, sie würde sofort mitfliegen – lacht der Vater schallend und meint : „Joa, es muss auch solche geben, sonst geb s ja nix zu reden!“ Wir genießen die Brotzeit, der suuure Kaas aus dem Montafon ist zu recht berühmt!

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Murmeltiere pfeifen auf unserem Weg, bleiben sogar für s Foto sitzen. Von unten scheint uns eine Wolke einholen zu wollen, doch wir halten eine ganze Zeit mit und bleiben drüber. Irgendwann hat er uns doch – der Nebel. Am Schwarzhornsattel  wird der Blick noch einmal frei und eine Herde Gemsen scheint sich nicht an uns zu stören. Jetzt ist die Hütte nicht mehr weit aber dafür regnet s richtig, der steinige Weg wird rutschig, ich bleibe in meiner neuen Jacke trocken aber auf den Rat, eine Plastiktüte obenauf zu packen, hab ich leider nicht gehört.

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Pech gehabt, der Schirm wird feucht. Triefend nass kommen wir in der Hütte an, Schuhe, Jacken und die Schirme in den Trockenraum, Hüttenschuhe  an und rein in die gute Stube – von hier lässt dich das Wetterschauspiel mit den Protagonisten Regen, Nebelschleier und Sonnenlicht über der grandiosen Kulisse des Tilisunasees relaxed genießen. Ein paar Schorlegläser und ein üppiges Essen sorgen für himmlischen Schlaf – sogar im Lager.

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Morgens haben wir Zeit, packen, frühstücken spazieren rund um die Hütte und genießen die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Landschaft. Als die Murmeltiere schrill pfeifen, gehen unsere Blicke Richtung Himmel und tatsächlich, ein Adler zieht seine Kreise, geländenah kann er sich halten, soart die sonnenbeschienen Flanken hoch, seine „Opfer“ immer mit dem Blick  suchend.  Zeit für uns, zum „Startplatz“ zu gehen und selbst zu fliegen.

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Doch  der will erst mal gefunden werden: Der eine will bloß keine Kuhscheiße auf dem neuen weißen Schirm, sie will nicht auf Geröll und der dritte nicht so weit weg von der Hütte starten. Wir finden ihn, unser aller Traumstartplatz und lassen uns Zeit bei den Vorbereitungen, nur nicht huschen, das ist zwar auch sonst nicht zielführend, im Gebirge aber schlichtweg gefährlich. Und wir wollen ihn ja genießen unsern Flug ins Tilisunatal. Das Flugküken zuerst, gut gestartet, zeigt es uns noch die ersten morgendlichen Bärte. An der Mittagsspitze drehen wir noch ein paar gemeinsame Kreise, bis sich eine Wolke vor und unter uns bildet, dann biegt Thomas ins Gauertal ab, überfliegt gewissenhaft den Wildschutzbereich und holt das Auto.

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René und ich fliegen ins Tal auf den offiziellen Landeplatz von Schruns.  Das Ende eines Abenteuers? Nein, eher der Anfang einer neuen Leidenschaft, dieser wunderbaren Spielart des Fliegens, called hike and fly.

(Jutta)

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