Mit dem Rise 4 kündigt Airdesign an, einen »Kletteraffen« mit »Wow-Effekt« in den Himmel zu schicken. Das weckt hohe Erwartungen, klingt  aber auch sympathisch. Wir waren sehr gespannt,  wie sich der »#thermalmonkey« fliegt.

Noch kurz vor Weihnachten erreichte uns das Paket aus Tirol mit den neuen Flügeln. Gerade rechtzeitig, um sie zum Jahreswechsel in Meduno und am San Simeone ausführlich zu testen.

Hier meine ganz persönlichen Eindrücke von den ersten ausgedehnten Flügen mit dem Airdesign Rise 4, geflogen in Größe S mit dem Gurtzeug Delight 3 von SupAir und einem Abfluggewicht von ca. 93 kg, also an der Obergrenze des für die Zulassung geprüften Gewichtsbereichs. Juttas ist  den Rise 4 in der Größe XS geflogen, mit dem gleichen Gurtzeug und einem Abfluggewicht von 75 kg.

Airdesign Rise 4Auspacken

Als erstes fällt das  geringe Gewicht auf. Trotz aufwändiger Konstruktion und einigen Zellen mehr als beim Vorgänger Rise 3 ist der Rise 4 handlich leicht und findet problemlos im kleinen Rucksack samt Liegegurtzeug Platz.

Ein Blick auf die Tragegurte verrät sofort die Verwandtschaft zum großen Bruder Volt 3 aus der C-Klasse: Eine breite, ergonomische Schlaufe zwischen B- und C-Gurt ermöglicht im beschleunigten Flug eine gut abgestimmte Anlenkung der hinteren Leinenebenen. Dazu später noch mehr.

An einigen Eintrittsöffnungen der ausgeprägten Haifischnase finden sich kleine Stabilisierungsbänder, die für eine optimierte Spannungsverteilung zwischen Ober- und Untersegel sorgen und damit  im Schnellflug die Nase straff halten.

Airdesign-typisch besitzen die Flügelenden sog. Vortex-Holes, Luftauslässe, die den induzierten Widerstand verringern. Die ebenfalls inzwischen schon markentypischen Winglets fallen beim Rise 4 etwas kleiner aus als beim Vorgänger Rise 3.

Im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz bei Flügeln in der Performance-Klasse setzt das Entwicklungsteam um Stephan Stiegler auf  relativ kurze Stäbchen in der Profilnase, was dem Thermikverhalten und der Sicherheit zugute kommt.  Insgesamt zeigt sich die Konstruktion des Rise 4 auf dem aktuellen Stand der Entwicklung, mit allem, was bei einem modernen High-Performance Gerät dazu gehört -  und mit einem eigenständigen Konzept,  

Airdesign Rise 4Erster Eindruck

Genug der technischen Details, jetzt geht es in die Luft! Ein Hauch Vorwind lockt schon gleich nach der Ankunft am Startplatz zum ersten Flug. Es ist noch früh am Tag, aber die Neugier siegt über die Geduld, auf Thermik zu warten.

Auch mit sehr wenig Wind und kaum Impuls lässt sich der Rise 4 sehr einfach aufziehen - und bleibt schön brav über mir, wie von selbst. So einfach kenne ich das bisher nur vom Airdesign Vivo, das gefällt mir gut!

Es fühlt sich alles sofort vertraut und »wie angegossen« an, also gleich los! Kaum gestartet, zeigt mir der Rise 4 schon den ersten noch unerwarteten Thermikblubber an. Ein paar Schleifen bringen sogar leichtes Steigen, schnell ist allerdings die Blase wieder vorbei.

Trotz des recht frühen Wintertages blubbert es schon hier und da und ich bin sehr erstaunt, wie exzellent der Rise 4 mit diesen sehr kleinen und schwachen Bläschen die Höhe am Grat hält. Genial! Jetzt raus über den Landeplatz und gleich mal ein paar Manöver probiert.

Airdesign Rise 4Handling

Bei ein paar dynamischen Kurven mit viel oder wenig Schräglage fällt sofort das einfache und kraftsparende Handling auf. Der Flügel macht genau das, was ich will, die Reaktion ist absolut proportional zum Steuer-Input und erfreulich direkt. Dabei fühlt sich alles sehr entspannt und gut kontrollierbar an.

Der Steuerdruck ist merklich, aber etwas geringer als beim Vorgänger, also eher im mittleren Bereich, ich mag das sehr. Weiche, lange Steuerwege liegen mir nicht.

Auch sehr positiv: der Rise 4 setzt Dynamik prompt wieder in Höhe um, d.h., auch in zügigen Kurven, wie man sie z.B. bei unerwarteten Ausweichmanövern oder hangnahem Thermikkreisen ganz gut brauchen kann, verliert der Flügel kaum an Höhe. Prima!

Die Burg neben dem Landeplatz in Meduno ist für mich immer eine Herausforderung zum Spielen: So nah und so dynamisch wie möglich. Gut, sich dabei absolut sicher fühlen zu können! Denn beim Wingover zeigt sich der Rise 4 erneut präzise,  stabil und macht einfach nur Spaß!

Insgesamt ist das Handling sehr einfach und intuitiv, die Dynamik beim Kreisen oder bei Manövern genau im richtigen Maß für einen Thermik- und Streckenflügel.

Airdesign Rise 4Start

Es folgen noch einige Starts bei wenig oder Nullwind und dann sogar noch bei zügigem Vorwind am Donnersberg. Egal ob vorwärts oder rückwärts aufgezogen - der Rise 4 startet für die Klasse außergewöhnlich einfach. Besser gehts nicht! Ein  großer Pluspunkt auch für Hike & Fly Abenteuer.Airdesign Rise 4

Thermikfliegen

Das Wetter schenkt uns in Meduno einen für die Jahreszeit guten Thermiktag, da ist sogar ein kleiner Streckenflug drin. Meist geht es eng und recht bockig nach oben, von sehr schwachen Steigwerten bis kurzzeitig auch ordentlichen »Anreißern« ist alles dabei. Das Airdesign-typische Brake-Shifting erweist sich wieder einmal als hervorragendes Tool, in unterschiedlichen Aufwindbedingungen eine jeweils angepasste und effektive Kurventechnik einzusetzen. (Brake-Shifting: durch recht lange Verbindungen zwischen Bremsrolle und Tragegurt wirkt sich Ziehen der Innenbremse zum Körper hin, entlang des Tragegurtes oder vom Körper weg jeweils sehr unterschiedlich auf das Kurvenverhalten aus. Kombiniert mit Gewichtseinsatz nach innen oder auch außen ergibt sich eine Fülle von Steuer-Möglichkeiten).

Insgesamt lässt sich der Rise 4 sehr gut flach und gleichzeitig eng drehen, perfekt für diese Bedingungen. Und trotz der hohen Beladung erweist er sich als wahrer Kletteraffe. Aha, daher wohl der Hashtag #thermalmonkey!

Was mir auch gut gefällt: der Rise 4 sucht sich die Thermik selbst und gibt mir genaueste Infos darüber, wo das beste Steigen zu finden ist Das können viele andere Flügel auch, aber der Rise 4 wirklich exzellent! Beim besten Steigen angekommen, lässt der Flügel sich selbst bei stärkeren Hebern  gut eindrehen. Beim Verlassen der Thermik bleibt das Nicken moderat und ich kann es dank rechtzeitiger Ankündigung sofort und einfach stoppen.

Solch präzises Feedback kenne ich bisher nur von Flügeln aus der C-Klasse. Im Gegensatz zu diesen fliegt sich der Rise 4 aber erstaunlich entspannt und einfach. Wow, das Thermikfliegen ist mit diesem Flügel die pure Freude! Je kniffliger, um so mehr Spaß macht es, weil es einfach super funktioniert!

In den folgenden Tagen lässt die Thermik nach, wird noch kleinräumiger und in der stabilen Luft recht zäh. Beste Bedingungen, um die Feinheiten des Flügels zu erkunden und so einige Kollegen mit der Performance des Rise 4 zu verblüffen. Dass wir   schnell (ganz) oben sind, vor allem dort, wo der Einstieg heute zäh ist, macht Spaß!

Bei unserem  Flug am Donnersberg in der Pfalz erleben wir dasselbe, allerdings in anderen Bedingungen:  Jutta ist sofort die Höchste,   und beim Steigen kommt keiner mit. Der  Rise 4 klettert außergewöhnlich gut, lässt sich sehr flach und kleinräumig auch in ordentlicher Thermik kurbeln.

Im  stark windversetzten »Bauernhof-Bart« verschaffe ich uns etwas Abstand für die Landung bei den doch recht thermischen Bedingungen. Der Rise 4 scheint geradezu eine Schnüffelnase fürs Zentrum zu haben.  Ich bin ganz tief eingestiegen,  es ruppelt ordentlich und trotzdem kann ich den Flügel  sehr gut nach oben zirkeln, auch dank dem geringen Kurvensinken und der Wendigkeit.  Genial fürs Flachland!

Airdesign Rise 4Gleiten

Beim Abendflug zum Sonnenuntergang  am Monte Valinis können wir die Gleit-Performance mal bei ruhiger  Luft unter die Lupe nehmen. Das traumhafte Licht, die Ruhe  und die Kulisse machen das gemeinsame Fliegen zu einem eindrücklichen Erlebnis. Ganz nebenbei staunen wir dabei über das Gleiten unserer beiden Rise 4. Sowohl im Trimm als auch beschleunigt gleiten die Flügel   auffallend gut im Vergleich zu  unseren Begleitern  bei diesem Abendflug. Am Ende kommen wir beide über dem UL-Landeplatz deutlich höher an, als vermutet.

Bei einem späteren Flug am Donnersberg kann ich das Gleiten noch ausführlich in bewegter Luft ausprobieren. Die B-C-Steuerung zeigt hier ihre große Stärke, denn der Flügel ist mit minimalen Steuer-Inputs und  bequemer Handhaltung einfach zu steuern und ruhig zu halten.

Zwischen Trimm und Vollgas offeriert der Rise 4 einen beachtlichen Geschwindigkeitsspielraum, gleichzeitig bleibt die Polare flach. Bis zu 15 km/h Gegenwind reicht Halbgas völlig aus, um sehr gut vorwärts zu kommen und gleichzeitig weit oben zu bleiben.

Dass Jutta auch mit der Größe XS noch sehr gut gegen den Wind voran kommt, mit nahezu identischer Geschwindigkeit und vergleichbar gutem Gleiten wie der S-Flügel mit 20 kg mehr Fluggewicht, ist wirklich bemerkenswert. Ein großes Plus für leichte Pilotinnen und Piloten!

Airdesign Rise 4Schnellabstieg

Wenn man  schnell nach unten möchte, sollte ein Thermik- und Streckenflügel auch in schwierigen Situationen möglichst einfach abwärts zu dirigieren sein.

Das Ohrenanlegen funktioniert beim Rise 4 sehr gut, mit wenig Kraft lassen sie sich halten, produzieren ordentliche Sinkwerte und bleiben stabil ohne zu schlagen. Zum Öffnen der Ohren mag der Flügel klassentypisch etwas Nachhilfe über die Bremsen.

Beim Spiralen zeigt sich sehr positiv die gut dosierte Dynamik.  Einleiten ist einfach, der Übergang »auf die Nase« weich, die Sinkwerte lassen sich  prima dosieren und wild wird es nur auf ausdrücklichen Pilotenwunsch. Ausleiten gelingt ebenfalls erstaunlich einfach.

Lässt man beim Spiralen die Bremsen los, möchte der Rise 4 selbständig in den Normalflug zurück, auch aus einer dynamischen Spirale. Angenehm: er nimmt moderat Fahrt weg und richtet sich nur mäßig schnell auf, was mit wenig Zutun und etwas Gefühl ein sanftes Ausleiten auch aus dieser Situation ermöglicht.

Insgesamt überrascht mich, wie einfach die Spirale für einen Flügel mit dieser Performance zu fliegen ist.

Airdesign Rise 4Passive und aktive Sicherheit

Großflächige Klapper zu ziehen, vermittelt immer einen guten Eindruck über die Dynamik, die ein Flügel bei Störungen entwicklen kann - und wie schnell er diese wieder abbaut. Also Pflichtprogramm beim Test. Gut gelungen ist dem Entwicklungsteam hier ganz offensichtlich die Kombination von gewollter Dynamik und rascher Selbststabilisierung.

Beim großen Klapper lässt sich der Rise 4 gut  auf Spur halten,  hält man die Hände oben, öffnet der Flügel  zügig. Lt. Testprotokoll sind die Reaktionen beim Klapper übrigens bei einigen Größen an der oberen Gewichtsgrenze der Zulassung günstiger eingestuft als an der unteren!  Ist es Zeit, das alte Vorurteil von der angeblich höheren  Sicherheit bei niedriger Flächenbelastung  zu revidieren?

Ein Flügel für fortgeschrittene Thermikflieger und für Streckenabenteuer braucht Wendigkeit, Geschwindigkeit und einen gewissen »Biss«. Wenn er sich dabei komfortabel und einfach  fliegt, taugt er auch für lange Flüge, bei denen nicht alles vorhersehbar ist, schon mal der Talwind kräftig entgegenbläst, sich ein vermeintliches Luv doch als ungemütliches Lee entpuppt oder auch mal   ein  »Bedienungsfehler« passiert.

Diese Kombi aus Performance, dosierter Dynamik und Flugkomfort  gefällt mir beim Rise 4  sehr gut.

Ein paar technische Details

Für Datensammler: Der Rise 4 spannt sich über 53 Zellen, am Flügelende finden sich die schon oben erwähnten AD-typischen Mini-Winglets mit Vortex-Holes. Die leichten Aramid-Tragegurte beherbergen sowohl ein ausgeklügeltes Beschleunigungssystem, als auch die  effektive und ergonomische B-C-Steuerung.

Über dem Piloten spannen edle Edelrid 8000er Leinen den Flügel auf. Derselbe ist aus einer bewährten Kombi von robustem sowie leichtem Tuch genäht und wiegt in Größe S nur 4,25 kg, in Größe XS bringt er sogar nur 3,9 kg auf die Waage.

Drei  für unseren Augen gelungene Standard-Farbkombis stehen zur Auswahl, für Individualisten natürlich auch Sonderfarben.

Es gibt den Rise 4 in den 5 Größen XXS (!!!) bis L und somit für Pilotinnen und Piloten von 40 bis 110 kg Leergewicht (50 bis 125 kg Fluggewicht). Die XXS-Version ist wie beim Eazy 2 und beim Vivo der kleinste Flügel in seinem Segment auf dem Markt. Super:  alle Größen sind bereits zugelassen und bestellbar.

Im Unterschied zu so manchem Konkurrenten ist der Rise 4 nicht nur für die niedrigen Gewichtsbereiche zugelassen, sondern er fliegt sich auch in den kleinen Größen leistungsstark! Wir vergleichen immer wieder die Performance verschiedener Größen gleicher Schirmtypen. Hier schneiden die kleinen Flächen von Airdesign auffallend gut ab!

Dank der kurzen Nylonstäbchen in der Flügelnase ist der Rise 4 auch klein und einfach zu packen.

Für weitere Zahlen und Konstruktionsdetails empfiehlt sich ein Blick auf die Website von Airdesign >

Airdesign Rise 4Fazit

Bemerkenswert, dass  Airdesign  die exzellente Performance des Rise 4  entgegen dem Trend mit nur kurzen Flügelversteifungen in der Nase realisieren kann.  Damit  erreichen  die Entwickler einen ehrlichen, mental und physisch kraftsparend und einfach zu fliegenden Flügel. Er unterstützt den erfahrenen Piloten selbst in schwierigen Situationen gut. Mit der XS- und XXS-Version steht all dies auch leichten Pilotinnen und Piloten zur Verfügung.

Der neue High-B Flügel von AD macht einfach  riesige Freude beim Fliegen, er klettert spielerisch wie ein Affe, lässt mich entspannt die Landschaft genießen und fordert  zu ausgedehnten Thermik- und Streckenflügen heraus, bei denen es auch mal knifflig werden darf. Ein wirklich toiler Flügel für vielfältige Flugabenteuer, vom Hike & Fly bis zur großen Strecke im Gebirge und selbst mit hoher Flächenbelastung exzellent im Flachland. Vielleicht muss ich noch etwas mehr essen, damit das breite Grinsen nach der Landung auf meinem Gesicht überhaupt Platz hat! (Thomas).

Gerne kannst du den Rise 4 selbst probefliegen. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Airdesign Rise 4Vergleich zum Vorgänger Rise 3

Wer den Rise 3 von Airdesign kennt, wird sicher neugierig sein, wie sich der »Neue« vom »Alten« unterscheidet. Und ja, da ist durchaus ein deutlicher Entwicklungsschritt zu spüren.
In seiner Dynamik ist der Rise 4 gegenüber dem 3er etwas dosierter abgestimmt. Damit  lässt er sich einfacher   und  spürbar entspannter fliegen, vor allem bei längeren Flügen und in fordernden Bedingungen. Der etwas verminderte Steuerdruck spart Kraft. in der Performance bietet der Rise 4 einen guten Schritt nach vorn.

Weniger offensichtlich, aber trotzdem moderater als beim Rise 3 sind die Reaktionen auf Störungen und entsprechend einfacher ist der Flügel in schwierigen Situationen wieder auf Spur.

Wer  den Rise 3 schon geflogen ist, wird sich beim Rise 4 schnell »zuhause» fühlen, aber noch komfortabler und sicherer unterwegs sein.

Airdesign Rise 4Alle Fotos: © Gemeinsam-Fliegen